Johann Spermann im Interview

„Sympathie für das Leben“

Johann Spermann Portrait-Bild

Pater Spermann, Sie sind einer der Initiatoren des Glaubenskurses. Wie kam es zur Idee zu diesem Kurs?

Wir haben auf einen offensichtlichen Bedarf reagiert. Aus Unternehmen, Schulen und Krankenhäusern – nicht nur in christlicher Trägerschaft übrigens – erreichten uns immer wieder Anfragen: Wie gehe ich mit den Ängsten eines Sterbenden um? Wie erreiche ich, dass Schüler sich aktiv mit ihrem zukünftigen Leben auseinandersetzen? Wie kann ich Mobbing in unserem Unternehmen entgegentreten? Diese Menschen haben ihre Hilf- und Sprachlosigkeit als sehr einschneidend empfunden.

 

Aber von der Wahrnehmung dieses Mangels an Sprachfähigkeit bis zum Glaubenskurs war es noch ein weiter Schritt, oder?

Nein. Uns wurde schnell klar, dass all diese Anfragen im Grunde Bitten um eine Art Nachhilfe in christlicher Spiritualität und Lebensführung waren. Da lag es nahe, Lehrern und Lehrerinnen, dem Pflegepersonal in Krankenhäusern und Heimen das Grundwissen in puncto Christentum wieder erreichbar zu machen. Denn die Erfahrungen aus vielen Jahrtausenden Glaubensgeschichte hilft uns ja in allen Lebenssituationen, für uns selbst das Richtige zu tun und anderen Menschen beizustehen.

 

Warum fühlen sich denn gerade die Jesuiten in der Verantwortung?

Der ignatianische Orden hat sich schon vor Jahrhunderten der Lehre verschrieben. Jesuitische Schulen und Hochschulen haben seitdem einen bedeutenden Einfluss auf die Bildungslandschaften vieler Weltgegenden. Dieses Erbe nehmen wir ernst. Es hat uns die notwendige Erfahrung und Fähigkeit beschert, Menschen auf ihrem Lebensweg Orientierung zu bieten.

 

Ist der Glaubenskurs nicht wieder nur trockene Theologie?

Nein, unser Anliegen war es ja, jenseits theologischen Detailwissens und unverständlicher Terminologie einen alltagstauglichen Kurs zu kreieren. Unser Anspruch war es, dass der Teilnehmer etwas mit dem Glaubenskurs anfangen kann und sofort Nutzen aus ihm zieht. Einem Vollblut-Theologen fällt es natürlich nicht immer leicht, sich auf das Wesentlichste zu beschränken. Aber wir haben es tatsächlich geschafft, kurzweilige Texte, die auf den Punkt kommen, und Kurzfilme, die bestimmte Aspekte visualisieren, zusammenzustellen. Einen 500-Seiten-Wälzer im Regal stehen zu haben, den kaum jemand liest, hätte ja nicht den Zweck erfüllt.

Unser Anliegen ist es, dass die Menschen miteinander ins Gespräch kommen, sich über den eigenen Lebensweg austauschen. Und merken: Zweifeln ist normal. Und jeder kann auf seine eigene Art und Weise mit den großen und kleinen Lebensfragen umgehen.

 

Für wen ist der Glaubenskurs gedacht?

Für alle interessierte Menschen, die sich ihrer Verwurzelung im Christentum bewusst sind und mehr darüber wissen möchten. Ich bin überzeugt davon, dass auch Skeptiker Impulse zum Nachdenken finden werden, denn der Glaubenskurs kommt ganz ohne missionarischen Eifer aus – dafür zeigt er aber viel Sympathie für den Leser, seine Lebenssituationen und seine Zweifel.

 

Johann Spermann ist Jesuit und Direktor des Heinrich Pesch Hauses in Ludwigshafen, der Katholischen Akademie Rhein-Neckar. Er ist einer der Initiatoren des Glaubenskurses „Kreuz und mehr“. 

In Buchform

Eine schöne Neuerscheinung: Das erste Werk des Glaubenskurses in Buchform ist erschienen. »Kreuz und mehr. Das kleine Buch zum christlichen Glauben« ist ab sofort überall dort erhältlich, wo es Bücher gibt. Der Band ist im Verlag Katholisches Bibelwerk erschienen, und im Frühjahr 2016 folgt auch eine DVD mit Kurseinheiten.

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„Sympathie für das Leben“

Wie kam es zur Idee des Glaubenskurses? Wieso sind es gerade Jesuiten, die ihn anbieten? Und gibt es dort nur trockene Theologie? Im Interview steht Pater Spermann, einer der Initiatoren des Glaubenskurses, Rede und Antwort.

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Zentrum – Mitte – Bewegung

Der Glaubenskurs »Kreuz und mehr« wird angeboten vom Zentrum für Ignatianische Pädagogik (ZIP) in Kooperation mit dem Heinrich Pesch Haus.
Das ZIP ist eine Gründung der Jesuiten in Deutschland und einer der führenden Weiterbildungspartner für christliche Schulen und pädagogische Fachkräfte.

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